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Elkes Geschichte

Erfahrungsberichte

Zeugnis einer Abtreibung und ein Weg der Heilung –
Warum ich heute Zeugnis gebe

So wie Gott mit jedem einzelnen Menschen einen ganz persönlichen, ihm zugedachten Weg
gehen möchte, so hat er auch meinen Weg geführt – oft durch Not, durch Fragen und durch tiefe
innere Kämpfe. Dieses Zeugnis gehört deshalb nicht mir, sondern Gott.
Denn an meinem Zeugnis wird sichtbar, dass aus Not eine Sehnsucht wachsen kann. Und aus
dieser Sehnsucht entsteht – manchmal ganz leise – Zuversicht. Eine Zuversicht, die aus einer
Hoffnung wächst und die letztlich in ein bedingungsloses Vertrauen in Gott hineinmünden kann
– Schritt für Schritt, auf einem Weg, den er selber trägt.
Zeugnis
Ich war 17 Jahre alt, einen Tag vor meinem 18. Geburtstag, als ich mein Kind habe abtreiben
lassen.
Mein Leben davor war bereits geprägt von tiefer Not. Durch kindlichen Missbrauch und eine
Vergewaltigung hatte ich kein Selbstwertgefühl entwickelt. Ich fühlte mich wertlos und
innerlich unfähig, Verantwortung für ein Kind zu übernehmen. Der Gedanke, mein Kind zu
bekommen und es anschließend wegzugeben, war für mich keine Option. Ich war in einem
kleinen Dorf aufgewachsen, in dem viel geredet wurde, und ich wusste, dass ich dem psychisch
nicht standhalten würde.
Ich hatte keine Hilfe. Ich war vollkommen allein. Für mich war klar: Ich werde das nicht
schaffen.
Die Wege zur Abtreibung waren erschreckend leicht. Eine sogenannte soziale Indikation
öffnete mir alle Türen. Damals war ich erleichtert darüber, weil ich keinen anderen Ausweg
sehen konnte. Heute sehe ich diese Leichtigkeit mit ganz anderen Augen…
Beim Frauenarzt wurde noch einmal ein Kontrollultraschall gemacht. Ich konnte mein Kind
sehen. Der Herzschlag war stark, regelmäßig und lebendig. Dieser Moment war kaum
auszuhalten. Direkt danach ging es in den Behandlungsraum. Die fürchterlichen Geräusche
begleiten mich bis heute.
Nach dem Eingriff wollte ich selbst nicht mehr leben. Ich ging in eine öffentliche Toilette und
zog mir die Tamponade heraus, weil ich sterben wollte. Doch die Blutungen waren nicht stark
genug. Ich habe das überlebt.
Als Kind hatte ich viel gebetet. Meine Familie und mein Umfeld waren schwierig, aber selbst
der Missbrauch hatte mich nicht dazu gebracht, Gott loszulassen. Im Gegenteil: Ich hatte mich
noch mehr an ihn geklammert. Doch nach dieser Abtreibung entstand ein tiefer Graben
zwischen Gott und mir. Ich sagte zu ihm:
„Ich glaube jetzt nicht mehr an dich, weil du das nicht verhindert hast. Aber wenn es dich gibt,
dann lass mich bitte in diesem Leben dafür büßen.“
Das war mein letztes Gebet für sehr lange Zeit.
Danach war ich innerlich ein Wrack. Ich wurde hart – gegen mich selbst, gegen andere
Menschen, gegen Gott. Ich brach Freundschaften ab und zog mich auch aus
verwandtschaftlichen Beziehungen zurück, besonders dort, wo kleine Kinder waren. Ich konnte
ihnen nicht mehr in die Augen sehen, ohne innerlich die Frage zu hören:
„Mama, warum?“
Nach außen hin funktionierte ich. Ich achtete auf mein Äußeres, meine Fassade hielt stand. Man
sah mir nichts an. Doch innerlich war ich psychisch und seelisch zutiefst verletzt. Diese innere
Not blieb nicht folgenlos. Sie wirkte sich später auch körperlich aus und manifestierte sich in
Krankheiten.
Heute bin ich 56 Jahre alt. Die Abtreibung hat mein Leben, meine Gottesbeziehung und meine
Seele tief geprägt. Dieses Zeugnis erzähle ich nicht, weil es leicht ist, sondern weil es wahr ist.
Und weil die Folgen einer Abtreibung nicht enden, wenn der Eingriff vorbei ist. Sie leben weiter
– in der Seele.
Jahre danach – was geblieben ist
Geblieben ist ein tiefes Schuldgefühl in mir. Und die innere Gewissheit, dass ich wahrscheinlich
nie mehr Kinder bekommen würde.
Mit 30 Jahren hatte ich eine Fehlgeburt. Es waren Zwillinge. Beide sind in der achten
Schwangerschaftswoche gegangen. Dieses Erlebnis hat meine dunkle Vermutung bestätigt und
sich wie eine innere Gewissheit in mir festgesetzt: dass ich nicht mehr fähig bin, Kinder zu
bekommen. Für mich stand fest, dass mein Körper und meine Seele dazu nicht mehr in der Lage
waren.
Meine damalige Ehe ist daran zerbrochen – nach nur einem halben Jahr. Ich war psychisch
wirklich ein absolutes Wrack. Ich fühlte mich nirgends zugehörig, innerlich heimatlos. Die
Schuld war mein ständiger Begleiter.
Ich trug Schuldgefühle gegenüber meinem Kind, das ich abgetrieben hatte. Und Schuldgefühle
gegenüber meinen Zwillingen, weil ich tief in mir überzeugt war, dass diese Fehlgeburt eine
Folge der Abtreibung gewesen sei. Diese Gewissheit ließ mich nicht mehr los. Ich fühlte mich
verantwortlich für ihren Tod.
Gleichzeitig hatte ich Schuldgefühle mir selbst gegenüber, weil ich wusste, dass ich durch
meine Entscheidung innerlich von Gott getrennt war. Und damit kam eine dritte Ebene der
Schuld hinzu: die Schuld vor Gott.
Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben dadurch zerbrochen und getrennt war – innerlich
abgeschnitten von Sinn, von Zukunft, von Hoffnung. Mein Leben erschien mir oft nicht mehr
lebenswert. Ich hatte immer wieder Suizidgedanken. Doch Gott sei Dank hatte ich nicht den
Mut, diesen Schritt zu gehen.
Ich lebte weiter, aber ohne wirkliche Verbindung – zu mir selbst, zu anderen Menschen, zu Gott.
Die Schuld war geblieben. Und mit ihr die tiefe Überzeugung, dass das, was geschehen war,
mein ganzes weiteres Leben bestimmt hatte.
Die Geburt meiner Tochter Sina Marie – Zerbruch, Ruf und neues
Leben im Glauben
Im Alter von 33 Jahren wurde ich erneut schwanger. Diese Schwangerschaft war von großer
Angst geprägt. Innerlich war ich überzeugt, dass es wieder schiefgehen würde. Die Erfahrungen
der Vergangenheit hatten sich tief in mir eingegraben, und ich lebte ständig in der Erwartung
eines erneuten Verlustes.
Auch die äußeren Umstände waren sehr schwierig. Der Vater meines Kindes litt unter schweren
Depressionen. Er hatte seine erste Tochter an Lymphdrüsenkrebs verloren, und diese Wunde
war nie verheilt. Die Angst, unser gemeinsames Kind immer mit seiner verstorbenen Tochter zu
vergleichen, war groß. In ihm kamen Suizidgedanken hoch. Schon während der
Schwangerschaft begannen wir, uns innerlich voneinander zu trennen.
Als unsere gemeinsame Tochter schließlich zur Welt kam, war sie so schwer krank, dass ihr
Papa es nicht mehr aushalten konnte. Seine Schuldgefühle waren überwältigend. Er war
überzeugt, nur kranke Kinder zeugen zu können. Er rutschte in eine noch tiefere Depression und
trennte sich schließlich ganz von uns.
In dieser Zeit begann ich wieder zu beten.
Gott schickte uns einen Menschen, der tief gläubig war. Diese Person sagte einen Satz, der mein
Leben veränderte:
„Wenn niemand mehr helfen kann – ich kenne jemanden, der kann helfen. Und das ist Jesus
Christus.“
Ich hätte mich an jeden anderen Halt geklammert. Aber Gott sei Dank hatte Gott genau diesen
Weg für mich vorgesehen. Diese Person schenkte mir ein Buch eines indischen Priesters, der
Exerzitien hielt und einen tiefen Dienst an den Menschen hatte.
Als ich dieses Buch las, erinnerte ich mich an meine Kindheit. An die Zeit, in der ich fest davon
überzeugt war, dass Jesus lebt und mein bester Freund ist. Diese Gewissheit, diese Nähe, dieses
Vertrauen begannen ganz leise wieder in meinem Herzen aufzuleben.
Dann kam der Tag, an dem wir tatsächlich zu diesen Exerzitien fuhren. Am ersten Abend kniete
ich mich vor das Bett. Dieses einfache Ritual kannte ich noch aus früheren Zeiten. Voller
Zweifel und Unglauben sprach ich ein Gebet:
„Jesus, wenn es dich wirklich gibt – ich kann es eigentlich nicht mehr glauben nach allem, was
passiert ist – dann tu etwas. Sonst muss ich etwas tun. Ich gebe entweder mein Kind ins Heim,
oder ich nehme mir das Leben.“
In derselben Nacht nach diesem Gebet erlebte ich mein erstes Wunder. Ich erwachte aus tiefem
Schlaf schlagartig hellwach – und hatte auf einmal Liebe in mir. Eine Liebe zu meiner Tochter,
die mir bis dahin gefehlt hatte. Mir wurde bewusst, dass ich zuvor nur funktioniert
hatte. Tief in mir hatte ich geglaubt, dieses Kind sei mir als Strafe für meine Abtreibung
gegeben worden.
In diesem Moment kam nicht nur Liebe, sondern auch Reue. Reue über die Abtreibung – aber
auch darüber, dass ich meine Tochter Sina Marie bislang nicht wirklich geliebt hatte. Diese
Reue durfte ich im Sakrament der Versöhnung, in der Heiligen Beichte, ablegen.
Für mich war dieses innere Geschehen ein größeres Wunder, als wenn Sina Marie von einem
Moment auf den anderen vollständig gesund geworden wäre. Innerhalb einer Sekunde konnte
ich wieder glauben. Wirklich glauben. Und ich blieb auf diesem Weg.
Es folgten viele schwere Jahre. Sina Marie hat 20 Jahre gelebt. In dieser Zeit gab es unzählige
Herausforderungen: viele Krankenhausaufenthalte, viele Kämpfe – auch im organisatorischen
Bereich mit Krankenkassen, Behörden, mit den notwendigen Umbauten unserer Wohnung und
vielem mehr…
Und doch habe ich immer wieder Hilfe von Gott erfahren. Klare Antworten auf meine Gebete.
Führung. Versorgung. Diese Erfahrungen pflanzten immer mehr Vertrauen in mein Herz, und
mein Glaube wuchs.
Sina Marie ist im Jahr 2023 an Christi Himmelfahrt um 15 Uhr – in der Stunde der
Barmherzigkeit – heimgeholt worden. Auch das war für mich ein großes Zeichen Gottes: dass
nun alles vollbracht und vollendet ist.
Seitdem weiß ich, was Liebe bedeutet.
Liebe zu mir selbst.
Liebe zu meinem Nächsten.
Liebe zu Gott.
Und dass diese drei untrennbar zusammengehören.
Ich habe Heilung erfahren – von meinen seelischen und psychischen Wunden, von meiner
Schuld. Und ich freue mich jeden Tag neu auf das, was Gott mir schenken möchte.
Ein Wort der Ermutigung – warum ich heute Zeugnis gebe
Mit meinem Zeugnis möchte ich besonders die Frauen ermutigen, die ein Kind unter ihrem
Herzen tragen und von Angst erfüllt sind. Angst vor den Umständen, Angst vor Überforderung,
Angst vor der Zukunft. Ich möchte ihnen zusprechen: Öffnet euch für das, was Gott schenken
möchte – und für das, was dieses Kind bereits mit sich bringt an Liebe, an Sinn und an Leben.
Ich bin zutiefst gewiss: In jeder Situation, egal unter welchen Umständen und egal welche
Indikation besteht, ist jedes Kind ein geliebtes Kind Gottes. Und Gott sorgt für dieses Kind.
So wie jedes Kind ein geliebtes Kind Gottes ist, so ist auch jede Mutter und jeder Vater ein
geliebtes Kind Gottes. Gott lässt niemanden allein. Er sorgt – oft anders, als wir es uns
vorstellen, aber zuverlässig. Er sorgt durch Menschen, die helfen. Durch Organisationen, die
konkret unterstützen. Und durch seine eigene Gegenwart, indem er Herzen wandelt, Wege
öffnet und neues Leben möglich macht – innerlich wie äußerlich.
Dafür stehe ich mit meinem Zeugnis.
Gleichzeitig möchte ich all jene ermutigen, die ein Kind abgetrieben haben und mit Schuld,
Scham oder innerer Leere leben. Geht zu Gott. Bittet um sein Erbarmen. Seine Barmherzigkeit
ist größer als jede Schuld. Heilung ist möglich. Versöhnung ist möglich. Und aus der eigenen
Geschichte kann neues Leben wachsen – auch dadurch, dass man sich für den Schutz des
Lebens engagiert und anderen beisteht. Diesen Weg gehe ich heute selbst.
Ich habe gelernt: Es braucht mehr Mut, ein Kind zu bekommen und Gott zu vertrauen, als ein
Kind abzutreiben. Vertrauen heißt nicht, keine Angst zu haben. Vertrauen heißt, trotz der Angst
einen Schritt zu gehen – im Wissen, dass man getragen ist.
Ich wünsche mir, dass dieses Zeugnis Herzen berührt. Dass es Hoffnung schenkt und Zuversicht
weckt. Dass es Mut macht zu glauben, dass Leben immer Segen bedeutet – auch unter schweren
Umständen.
Ein Kind Leben zu schenken ist immer ein Ja zum Leben.
Und wo Leben ist, da ist Gott.

2. August 2026
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